FÜR DIE OFF-KULTUR!

Präambel
Off-Kultur ist eine Vielzahl an funkelnden Lichtern in einer Stadt – kein Leuchtturm. Sie bildet die Alternative zur etablierten Hochkultur und den Nährboden, aus dem Großes erwächst. Sie stellt kommerziellen Mega-Events viele kleine Veranstaltungen, Ausstellungen und Aktionen entgegen. Oftmals sind es Ehrenamtliche, die sich in Kunst- und Kulturvereinen engagieren und mit teils klassischen, teils experimentellen Formaten die Stadt beleben. Genauso gut können es aber auch Einzelpersonen, Gruppen oder Initiativen sein, die künstlerische Projekte realisieren und zu einem geselligen, weltoffenen und toleranten Klima beitragen. Was Kunst und Kultur ist, wird von den Beteiligten dabei immer wieder neu ausgelotet. Off-Kultur ist mitunter rebellisch und laut, besticht gelegentlich allerdings auch durch sanfte Schönheit, Harmonie und Herzlichkeit.

Forderungen
1. Angemessene Künstlerhonorare ermöglichen
Die großteils ehrenamtlich betriebenen Off-Kultur-Vereine erhalten zu wenig öffentliche Unterstützung, um die Arbeit der beteiligten Künstler angemessen vergüten zu können. Bislang werden den Künstlern sogar oft nur die Auslagen erstattet und überhaupt kein Honorar gezahlt. Wir fordern daher die Stadt auf, den Off-Kultur-Vereinen mehr Geld für die Entlohnung der Künstler zur Verfügung zu stellen.

2. Antragsabrechnung vereinfachen
Im Kulturfördergesetz NRW ist bereits verankert, dass das Förderverfahren auf „möglichst unbürokratische und einfache Weise gestaltet“ (§ 28) werden soll und daher bei kleinen Projekten eine Festbetragsfinanzierung vorzuziehen ist. Diese hat gegenüber einer Fehlbetragsfinanzierung für Vereine den Vorteil, dass sonstige Einnahmen, Drittmittel und Spenden sich nicht auf die Höhe der städtischen Zuwendung auswirken und die Abrechnung sich deutlich vereinfacht. Gleichzeitig reduziert dieses Verfahren den Verwaltungsaufwand seitens der Stadt. Daher sollten kleinere Projekte ausschließlich per Festbetragsfinanzierung gefördert werden.

3. Förderkriterien freier gestalten und vereinheitlichen
Die Förderkriterien in den einzelnen Bereichen sind höchst unterschiedlich. Ob Zuschüsse beispielsweise für Honorare, Material oder Reisekosten verwendet werden dürfen, hängt von dem jeweiligen Fördertopf ab – was im Bereich der Bildenden Kunst gilt, gilt noch lange nicht für Musik. Dies sorgt bei Vereinen, die spartenübergreifend arbeiten, für Verwirrung, Fehler und Ärger. Nur in einem Punkt gleichen sich die Förderkriterien: Zuschüsse dürfen nicht für Mietzahlungen verwendet werden. Diese verursachen vielerorts jedoch die größten Ausgaben. Solange die Fördergelder der Kultur zu Gute kommen, sollte die Stadt es den Projektemachern überlassen, für welche Arten von Ausgaben die Zuschüsse eingesetzt werden. Wir fordern daher bei kleinen Projekten eine freie Verwendung der Fördergelder sowie eine Vereinheitlichung der Förderkriterien in den Bereichen Tanz und Theater, Bildende Kunst, Musik und Literatur.

4. Projektförderzeitraum ändern
Wer zwischen Januar und März ein Kulturprojekt veranstaltet und dafür auf städtische Zuschüsse angewiesen ist, geht ein hohes finanzielles Risiko ein. Denn ob ein Zuschuss gewährt wird, erfahren Antragsteller erst Ende März. Wünschenswert wäre eine Lösung, die der Off-Kultur eine höhere Planungssicherheit ermöglicht. Idealerweise würde die Stadt über Förderanträge stets vor dem jeweiligen Projektstart entscheiden.
Da es nicht immer möglich ist, alle Projekte für das komplette Folgejahr vorab zu planen, sollte es außerdem eine Möglichkeit geben, kleine Projekte, die sich auf aktuelle Ereignisse beziehen, kurzfristig zu unterstützen (beispielsweise über einen gesonderten Fördertopf).

5. Zwischennutzungen fördern
Viele Kreative möchten auf eigene Faust Kulturprojekte veranstalten. Das Problem: Es fehlen Räume – insbesondere solche, in denen der Lärmpegel über Zimmerlautstärke liegen darf. Die Suche nach geeigneten Locations ist schwierig und erfordert viel Zeit. Wir bitten deshalb die Stadt darum, Kreative bei der Suche nach Räumlichkeiten zu unterstützen und Anträge im Schnellverfahren zu bearbeiten. Leerstehende städtische Locations sollten für Kulturprojekte geöffnet und die Vermittlung von Räumen in Privatbesitz besser unterstützt werden.

6. Kooperation zwischen städtischen Behörden verbessern
Für Projekte im öffentlichen Raum und abseits der bekannten Kulturorte ist in der Regel eine Vielzahl von bau- und ordnungsrechtlichen Genehmigungen notwendig. Das Einholen der Bewilligungen verlangt von den Kreativen viel Zeit und Energie. Wir fordern deshalb, dass die Vermittlung zwischen den städtischen Ämtern verbessert wird. Außerdem sollte die Stadt stets versuchen, Kulturprojekte zu ermöglichen. Hierbei geht es weniger um rechtliche Belange, sondern um die Haltung und Einstellung der Behörden zu kulturellen Projekten.

7. Off-Szene in Kulturpolitik einbeziehen
Künstler, Kreative und Off-Kulturvereine sollten stärker in die städtische Kulturpolitik einbezogen werden. Wenn es beispielsweise darum geht, eine Kontaktstelle für die Off-Kultur einzurichten, Kulturförderrichtlinien zu definieren oder einen Kulturentwicklungsplan für Düsseldorf zu entwerfen, sollten auch jene gehört werden, die aktiv und kreativ die Stadt beleben.

8. Kompetenzen stärken und vermitteln
Off-Kultur-Arbeit wird in der Regel ehrenamtlich erledigt. Dabei werden von den Mitgliedern in einem Verein oftmals nicht alle notwendigen Kompetenzen abgedeckt, was zu rechtlichen Problemen führen kann. Die Stadt sollte daher kostenlose Workshops zur Vereinsarbeit anbieten und Beratungsangebote schaffen, beispielsweise ehrenamtliche Experten suchen, die die Vereine bei Rechts-, Steuer- und Finanzfragen unterstützen.

9. Website für die Off-Szene finanzieren
Damit die vielfältigen Aktivitäten der Off-Szene besser sichtbar werden, wäre eine Website sinnvoll, auf der die Düsseldorfer Off-Kultur, ihre Räume, Veranstaltungen und Projekte zentral abgebildet werden. Die Stadt sollte Gelder bereitstellen, um eine solche Website einrichten und dauerhaft redaktionell pflegen zu können.

10. Rettungsschirmchen installieren
Um Experimente zu realisieren, braucht es Mutige – die gibt es in der Off-Szene! Doch wo kreatives Neuland betreten wird, besteht immer auch die Gefahr des Scheiterns. Durch unvorhersehbare Ereignisse kann es passieren, dass gemeinnützige Vereine plötzlich vor dem Aus stehen oder Projektemacher mit ihrem Privatvermögen haften müssen. Bislang hat sich die Off-Szene stets am eigenen Zopf aus dem Sumpf gezogen und wird dies im eigenen Interesse auch zukünftig versuchen. Wenn die eigenen Mittel und Kräfte erschöpft sind, sollte in Ausnahmefällen jedoch die Stadt einspringen und diese Vereine oder Initiativen retten.